Fazit
Nachdem uns nun schon über ein halbes Jahr wieder der graue Alltag gepackt hat, wollen wir nun doch zum Jahrestag der Urlaubsbuchung das versprochene Fazit noch nachliefern.
Planung und Vorbereitung
Der wesentliche Punkt aus unserer Sicht ist, vor der Reise bereits eine Route zu bestimmen und sich die Tage realistisch einzuteilen. Vor allem die Entfernungen sollte man nicht unterschätzen. Will man nicht hetzen, halten wo's schön ist, Bilder machen usw. sollte man nicht mehr als einen Schnitt von 35-40 Meilen pro Stunde einplanen. Bei längeren Strecken ohne viele (Foto-) Stops kommt man auch mit einem großen Wohnmobil recht zügig vorwärts, so dass je nach Straßentyp auch 50 bis 60 Meilen pro Stunde drin sind.
Steht dann das grobe Gerippe, ist eine Änderung vor Ort recht leicht zu bewerkstelligen, da die Abstände der einzelnen Stationen bekannt sind und auch die Dauern der Tagesetappen gut abgeschätzt werden können. Mit unserer Routenplaner-Software war das natürlich noch viel einfacher als "von Hand". In jedem Fall sollte man auch ein paar Resttage ohne feste Planung lassen, damit man auch einmal irgendwo länger bleiben kann, wenn es besonders schön ist.
Checklisten für gewisse Dinge wie "Was ist noch vor der Abreise hier zu erledigen?" oder "Was kommt in die Reisetaschen?" und "Wie bestücken wir unser Wohnmobil beim ersten Einkauf?" (wir waren in den ersten zwei Wochen ja hauptsächlich in der Wüste) hatten wir alle bereits von früheren Reisen griffbereit. Vor allem die Einkaufsliste ist sehr hilfreich, wenn man dann - mit der Reise noch in den Knochen - das erste Mal in einem riesigen Supermarkt steht und sich erst wieder an die Dimensionen gewöhnen muss.
Wichtig, vor allem mit Kindern, ist es auch, ohne Stress am Flughafen anzukommen. Da macht sich eine Übernachtung mehr (im Hotel) ganz schnell bezahlt, vor allem für die Nerven der Eltern und der Mitreisenden...
Weitere Tipps, was zu einer guten Vorbereitung gehört, wollen wir hier jetzt nicht wiederholen, da gibt's bessere und vollständigere Listen in anderen Reiseberichten.
Land ....
Trotz vieler und teils großer Waldbrände in den einzelnen Staaten konnten wir unsere geplante Route fast exakt einhalten und alle Nationalparks wie geplant besuchen.
Nur der Besuch des Yellowstone N.P. war uns wegen einer fehlenden Campingplatzreservierung über das Wochenende des Nationalfeiertags leider nicht möglich. Wir hätten diesen eben doch schon aus Deutschland auf Verdacht buchen sollen, wir dachten damals aber nicht, dass wir nach rund 4 Wochen Reise wirklich taggenau dort ankommen würden! Dadurch kam es zur einzigen größeren Änderung in der Route und wir ließen den östlichen Zipfel der Reise, der uns noch nach Cody bringen sollte, einfach weg.
Dafür verwendeten wir die gewonnenen Tage, um den weiten Weg zu unseren Verwandten in Seattle gemütlicher anzugehen. Und unterwegs gab's dann auch neben bereits Bekanntem auch noch viel Neues zu sehen, so waren z.B. die Sawtooth Mountains in Zentral-Idaho auch noch mal ein tolles Highlight. Die Anzahl der tatsächlich gefahrenen Meilen (6568) kam fast auf die Meile genau auf die geplanten (6500) hin.
Wenn man uns nach dem Highlight der Reise fragt, wird es sehr schwierig: So vielfältig waren die Eindrücke, so abwechslungsreich die Landschaften, so nett die Leute. Unsere ganz subjektive Liste der Top-Five dieser Reise sieht etwa so aus (in alphabetischer Reihenfolge):
- Bryce Canyon National Park
- Die Gegend des Grand Staircase Escalante National Park
- Grand Teton National Park
- Highway 1 zwischen Carmel und Malibu
- Zion National Park
Zu dieser Liste gehören noch, um unsere Top-Ten vollzumachen, Stationen, die wir auf früheren Reisen schon besucht hatten und diesmal aus Zeitmangel (!) leider nicht besuchen konnten
- Crater Lake
- Grand Canyon South Rim
- Oregon Coast
- Yellowstone National Park
- Yosemite National Park
Die Reisezeit war für den Routenverlauf optimal. So konnten wir den Süden der Route vor Beginn der ganz großen Hitze erkunden und hatten dann im Norden in der zweiten Routen-Hälfte bereits schönes und warmes Sommerwetter. Dazu hatten wir, abgesehen vom Wochenende um den Nationalfeiertag, nie Probleme, einen Campingplatz zu finden. Und auch alle Sehenswürdigkeiten konnten wir ohne große Menschenmassen genießen!
.... und Leute
Auch wenn die Höflichkeit der Amerikaner oftmals als oberflächlich bezeichnet wird - es ist einfach jedes mal aufs Neue eine tolle Erfahrung, wie einfach man mit den Leuten ins Gespräch kommt und wie hilfsbereit die Leute sind, wenn es darum geht, einem bei irgendeinem Problem (z.B. ein kaputter Auspuff am Wohnmobil, freitags um 16:00) zu helfen.
Voraussetzung ist hier natürlich, dass man sich in Englisch zumindest verständlich machen kann. Perfekte Sprachkenntnisse sind nicht nötig, die Amerikaner sind meist sehr geduldig. Ganz ohne Englisch-Kenntnisse würden wir eine solche Reise "auf eigene Faust" aber nicht empfehlen.
So ist eben einfach schön, wenn man sich in der Wäscherei oder beim Einkauf oder auf dem Campingplatz mal eben mit jemandem unterhalten kann, woher man kommt oder wie lange man bleibt. Für die Amerikaner ist alles, was über zwei Wochen Reisedauer geht, fast unvorstellbar, denn in USA hat man meist nur 15 - 20 Urlaubstage pro Jahr. Die Deutschen und Schweizer, die wir getroffen haben, waren alle vier Wochen und länger unterwegs, was auch angesichts der großen Entfernungen und der vielen Eindrücke auch wirklich anzuraten ist. Interessant ist auch, das fast jeder Amerikaner, mit dem wir geredet haben, in seiner Ahnengalerie einen deutschen Vorfahren hat oder beim Militärdienst in Deutschland war oder aber zumindest einen Nachbarn hat, der einen deutschen Vorfahren hat oder der beim Militärdienst in Deutschland war oder aber .....
Nomadenleben
Der Tagesablauf gestaltete sich dank des Komforts in unserem Wohnmobil problemlos. Ein leckeres Frühstück mit Toast, Cereals und frischem Kaffee, manchmal sogar "French Toast" oder pancakes waren im Nu zubereitet.
Mittags gab es oft einen kleines Picknick (oder fast-food, weil bequemer), und abends war meist gemeinsames Kochen angesagt.
Die immer vorhandenen Sonderwünsche der Kinder nach Apfelsaft, Cräckern oder Eis wurden auch während der Fahrt vom Mâitre de cabine (Gabi) prompt erledigt und trugen nicht unerheblich zur allgemeinen Zufriedenheit bei.
Das Leben auf den Campingplätzen ist unkompliziert, man findet schnell Kontakt zu seinen Mit-Campern. Im Gegensatz zu unseren früheren Urlauben mit dem Zelt bleibt festzuhalten, dass das Naturerlebnis weniger intensiv ist: Häufig hat man asphaltierte Stellplätze, und wenn es dunkel wird, verzieht man sich (wie die anderen) meist nach drinnen. Auch sind die komfortablen Plätze oft nicht so schön gelegen.
Mit größeren Kindern ist ein Zelturlaub sicher auch gut zu machen, wenn zum Abschluss der Tagesetappe das Bett für die Nacht erst mal gemeinsam gebaut werden muss.
Familien mit Kindern waren nicht all zu oft anzutreffen, klar, die hatten ja auch noch keine Ferien.
Alternativ hatten wir auch überlegt, einen Mini-Van zu mieten und jeweils in einem Motel zu übernachten. Kostenmäßig wäre das etwas günstiger gewesen, aber dann muss man jeden Tag Hotel suchen und Koffer schleppen. Mit dem Wohnmobil hat man einfach immer alles parat, ob jetzt die Toilette oder das kühle Getränk, und zur Not kann man auch einfach stehen bleiben und ein paar Stunden schlafen. Ein weiterer Vorteil für die Kinder ist auch, dass sie mit dem Wohnmobil eine vertraute Umgebung haben und sich nicht jeden Tag an ein anderes Bett gewöhnen müssen.
Die Kinder haben auch jetzt noch vieles in Erinnerung und Jeannette wäre bei der Abgabe des Wohnmobils am liebsten direkt in ein neues umgestiegen und weitergefahren!
Kosten
Vor Ort haben wir durchschnittlich pro Tag etwa 40$ für Essen (überwiegend Selbstverpflegung), 35$ für Benzin und 10$ für Eintritte ausgegeben. Dazu kamen die Campingplatzkosten von im Mittel 25$ pro Tag, wobei hier die Spanne von 14$ (in der Pampa) bis fast 50$ in Kalifornien und Colorado reichte.
Anzumerken bleibt, dass man die Kosten für das Essen durch Besuch von (guten) Restaurants beliebig in die Höhe treiben kann. Weiterhin können die vielen, am Wegesrand lauernden Attractions wie white water rafting, Heliflüge etc. auch noch beträchtliche Löcher in die Kasse reißen. Von Mitbringseln erst ganz zu schweigen ...
Noch einmal?
Fast sechs Wochen Urlaub mit dem Wohnmobil, abwechslungsreiche Landschaft, immer tolles Wetter, nette Leute, keine Pannen, und - auch wenn es manche nicht glauben wollen - kein Stress. Was will man von einem Urlaub mehr erwarten? Damit ist unsere Antwort auf die obige Frage ein eindeutiges JA!
Wie auch zu Hause haben die Kinder mal bessere und mal schlechtere Stunden, wobei durch die viele Abwechslung und das "Abenteurer-Leben" die besseren Stunden deutlich in der Überzahl waren.
Wir können aus unserer Sicht anderen Familien nur raten - traut Euch! Mit ein wenig Improvisationstalent (das hat man sowieso, wenn man Kinder hat) und Englischkenntnissen ist diese Art von Urlaub ohne Probleme zu machen und die Erlebnisse während einer solchen Reise werden unvergesslich bleiben.
In diesem Sinne und vielleicht mal wieder bei einer anderen Reise...
Familie Gabi und Joachim Brenneisen mit Oliver, Jeannette und Andreas
Im Februar 2003